KÖLNER ZUCKERHUT - Ausgabe Januar 1998

Eugen Langen - Namenspatron und Ratsturmfigur

Was wir im letzten "Kölner Zuckerhut" als bevorstehend erwähnten, ist inzwischen vollzogen worden: Die Elsdorfer Realschule wurde am 27. September in "Eugen-Langen-Realschule" umbenannt.

In einer Feierstunde in der Aula wurde das Schaffen des berühmten Gründers unserer Firma gewürdigt. Schüler und Lehrer stellten ein phantasievolles und amüsantes Rahmenprogramm auf die Beine, wofür sie viel Beifall ernteten. Ein schmissiger Tanz in Zuckerwürfelkostümen und das "Eugen-Langen-Quiz" gefielen besonders. In seiner durch persönliche Eindrücke geprägten Festrede ging Arnold Langen, der jüngste Enkel Eugen Langens, vor allem auf die hervorstechenden Eigenschaften seines Vorfahren ein. Im ganzen war es eine gelungene und lebendige Veranstaltung, an der der Namenspatron seine Freude gehabt hätte. Und sicher auch an der Ausstellung im Foyer der Schule, in der die Schüler sein Leben dokumentiert hatten.

Hätten Sie es gewusst?


In diesem Zusammenhang möchten wir auf etwas aufmerksam machen, was wahrscheinlich nur wenigen unserer Leser bekannt ist: Eugen Langen gibt es auch als Figur auf dem Kölner Ratsturm".


Das hat folgenden Hintergrund: Nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg wurde zunächst der Ratsturm ohne den historischen Figurenschmuck wieder aufgebaut. 1988 beschloss dann der Rat der Stadt Köln, den bislang unvollendeten Turm mit einem neuen Figurenzyklus zu versehen, und zwar aus Personen, die in irgendeiner bedeutenden Weise mit Köln verbunden waren. 124 ausgewählte Persönlichkeiten - Männer wie Frauen - sollen die 2000jährige Stadtgeschichte in ihren politischen, religiösen, wirtschaftlichen und kulturellen Aspekten repräsentieren. Zu diesem Kreis gehört auch Eugen Langen. Seit November 1990 steht er nun als Figur auf dem Ratsturm.

Zu finden ist er, wenn man vom Gürzenich - von Süden aus - den Turm betrachtet, links außen auf dem 3. Obergeschoss. Übrigens: Rechts von Eugen Langen - durch ein Turmfenster getrennt - steht Nikolaus August Otto, der ihm Freund und Partner war und mit dem er zusammen den ersten brauchbaren Gasmotor entwickelte.

Erfinder und Unternehmer

Die Plastik wurde von dem bekannten, inzwischen verstorbenen Kölner Bildhauer Theo Heiermann gefertigt. Als Zeichen für die technischen Innovationen Eugen Langens fügte er der Figur einen Motorkolben bei und als Symbole für sein unternehmerischen Engagement bei der Gründung von Pfeifer & Langen eine Zucker-Packkiste und eine Zuckerhut. So sind die beiden hervorragenden Fähigkeiten dieses zur seiner Zeit überaus angesehenen Erfinders und Unternehmers in einprägsamer Weise dargestellt.

Museen in Köln: Bild der 18. Woche - 3. bis 10. Mai 1999

Eugen Langen
Photographie von Nicola Tonger, um 1890
15,7 x 10,6 cm
Kölnisches Stadtmuseum - Graphische Sammlung

Kölnischer Erfindungsgeist

(Karl) Eugen Langen (Köln 1833 - 1895), ein Sohn des Kölner Industriellen Johann Jakob Langen und der Johanna Maria geb. Gustorff, tat sich in der väterlichen Friedrich-Wilhelms-Hütte in Troisdorf als auch finanziell erfolgreicher Erfinder hervor. In Köln nannte man ihn den "Patent-Langen". Sein bekanntestes Projekt war der Entwurf einer Schwebebahn, deren Realisierung im Wuppertal er kurz vor seinem Tod noch erleben durfte. Langen starb 1895 an einer Fischvergiftung, die er sich bei der Einweihungsfeier des Nordostseekanals zugezogen hatte.

1862 hatten ihn sein Ruf als erfolgreicher Vermarkter und sein Interesse an Gasmotoren mit Nicolaus August Otto (1832 - 1891) zusammengebracht. Beide gründeten in Köln 1864 die N. A. Otto & Cie. KG, die erste Motorenfabrik der Welt, aus der 1872 die "Gasmotorenfabrik Deutz AG" wurde. Langens eigentlicher geschäftlicher Kernpunkt war jedoch seit den 1860er Jahren die (Rüben-)Zuckerindustrie. 1870 hatte er sich mit Emil und Valentin Pfeifer in Elsdorf bei Düren zur Gründung einer neuen Fabrik unter dem Namen "Pfeifer & Langen" zusammengetan, die den gesamten Produktionsprozeß von der Rübe bis zum Zuckerwürfel umfaßte.

Als Langen sich mit seinem Bestreben nach Schutzzöllen (soweit sie nicht Getreide betrafen, denn billiges Getreide bedeutete hoher Getreideverbrauch und damit einher ging hoher Zuckerverbrauch) in der Kölner Handelskammer nicht durchsetzen konnte, gründete er 1881 den "Verein der Industriellen im Regierungsbezirk Köln". Dies war nur konsequent, da der außerordentlich autoritär, wenn auch gepaart mit patriarchalischer Fürsorge, denkende Unternehmer der erstarkenden Arbeiterbewegung mit großem Mißtrauen begegnete. 1870 bis 1895 war er Stadtverordneter in seiner Vaterstadt. Außerdem engagierte er sich für deutsche Kolonien in Afrika und der Südsee.

Die hier gezeigt Porträtaufnahme im Besitz des Kölnischen Stadtmuseums stammt von Nicola Tonger und wird um 1890 datiert. Sie zeigt Eugen Langen im Alter von etwa 57 Jahren und trägt dessen Unterschrift.

R. Wagner

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