Lebensgeschichte Otto Langen (1885 - 1958)
Ich habe meinen Vater Otto Langen kaum gekannt und meine Mutter hat nur wenig von ihm erzählt. Diese Lebensgeschichte beruht auf den Erinnerungen meiner Kusine Heide Duhme und meiner Vettern Günther und Carl-Otto Langen, denen ich auf diesem Wege für ihre Beiträge danke.
Mein Vater, Adolf Otto Hellmuth Langen, wurde am 01.11.1885 als fünftes Kind von Carl-Otto Langen d.J. in Mönchengladbach geboren.
Mein Onkel Walther Langen berichtet in seinen Erinnerungen:
Das Jahr 1885 brachte aber den Eltern nicht nur eine bessere Existenzmöglichkeit, es mehrte auch ihr häusliches Glück durch die Geburt eines Jungen am 1. November, Adolph Otto Hellmuth. Dieser machte allerdings zuerst seinen Eltern sehr viel Sorge. Er war ein kleiner Schreier, der uns namentlich in den ersten Monaten sehr viel zu schaffen machte. Er hatte eine Luftröhrenentzündung nach der anderen und stundenlang saß Emily am Kinderwagen wenn er schlief und hielt eine Tasse mit heißen Kamillentee unter das Gardinchen, damit die feuchten Dämpfe lösend wirken sollten. Von dem vielen Schreien wurde der Kleine nicht nur heiser, er bekam auch einen leichten Nabel- und Leistenbruch, der aber nach einiger Zeit wieder ganz ausheilte.
Vaters Mutter Emely geb. Bornefeld starb am 14.03.1898. Sie muß eine außerordentlich frohe und beliebte Frau und Mutter gewesen sein. Ihr Tod war für ihre Kinder einschneidend, denn das Verhältnis zur Stiefmutter Maria geb. Schürmann ist nicht so gut gewesen.
C.O. Langen d.J. mit seiner 2.
Frau Maria geb. Schürmann und den Kinder aus erster Ehe
mit Emily geb. Bornefeld (von links Günther, Herbert, Walther, Elly, Eugen,
Otto, Martha)

Vater hat, wie seine Brüder Herbert und Günther, die Oberrealschule in Mönchengladbach besucht. Nach dem Abitur studierte er Schiffsbau. Das Studium schloß er – so wird berichtet - mit einem blendendem Examen ab. Seine Diplomarbeit befaßte sich mit Strömungsverhältnissen an Schiffsrümpfen verschiedener Formen und wurde vom Werftenverband prämiert. Die Prämie bestand aus einer Reise nach Amerika, verbunden mit einem halbjährigen Aufenthalt. Um den Aufenthalt in Amerika zu verlängern, verkaufte er die Fahrkarte für die Rückpassage. Für die Rückreise heuerte er auf einem Schiff als Kohlentrimmer an.
|
|
Nach seiner Rückkehr arbeitete er auf einer Kieler Werft als Schiffsbauingenieur
bis zur Mobilmachung 1914. Zu Beginn des Krieges wurde er in
Polen verwundet. Eine leichte Behinderung seines rechten Beines ist
zurückgeblieben. Nach Ausheilung seiner Kriegsverletzung wurde er etwa Ende
1914 zur AG Weser in Bremen dienstverpflichtet und hat dort auf der Werft
entweder U-Boote konstruiert oder solche als Betriebsingenieur gebaut.![]() |


Am 29.5.1915 heiratete er Meta Luise Bernhardine Bellstedt aus dem „Neuenlande" bei Bremen. Sie stammte aus einer Bauernfamilie, die über erheblichen Grundbesitz verfügte.
Heide erzählt:
Meta, ein hübsches dunkelhaariges, braunäugiges und fröhliches Mädchen mit schlanker Statur, besucht die Schule bis zur Mittleren Reife und erlernt in der Zimmerschen Stiftung die Hauswirtschaft. Sie wirkte durch ihre geistige Regsamkeit und ihre überaus liebevolle Ausstrahlung.
So ist es nicht verwunderlich, daß Otto Langen Gefallen an ihr findet, als er sie in Bremen - beim Tennisspielen kennenlernt. Sie heiraten 1915, bleiben in der Hansestadt und führen eine Ehe, wie sie zu der damaligen Zeit üblich war: der Ehemann ist der Tonangebende, die Ehefrau ist diejenige, die sich fügt und sich um Kinder und Haushalt kümmert.
Sie hatten zwei Kinder, Inge geb. 27.07.1916 und Hellmuth, geb. 12.02.1918.


Nach der Novemberrevolution 1918, die, wie auch in anderen Hafenstädten, von der Marine und den Werftarbeitern ausging, müssen die Verhältnisse in Bremen katastrophal gewesen sein. Folgende Geschichte wird erzählt:
Nach dem Kriege wurde Vaters Bruder Günther Anfang Dezember 1918 in Jüterbog demobilisiert. Als er mit seiner geschulterten Offizierskiste den Bahnhof in Bremen verlassen wollte, machten Angehörige der Bremer Miliz ihm - gelinde gesagt - Schwierigkeiten. Günther stellte sich wenige Tage nach seiner Rückkehr der Bürgerwehr zur Verfügung. Bei seinem ersten Patrouillengang begegnete er seinem Bruder Otto, der bei der Miliz Dienst tat und ebenfalls eine Patrouille anführte, das erste Mal nach dem Krieg nachts auf dem Bremer Markt. Die beiden Patrouillen lagen sich gegenüber und den Überredungskünsten Günthers gelang es, seinen Bruder Otto „gefangen" zu nehmen und den Rest der gegnerischen Patrouille entkommen zulassen. Otto wurde wochenlang versteckt, weil er von den Milizen als „Abtrünniger" und von Polizei als „Anführer" der Werftarbeiter gesucht wurde.
Nach seiner Rückkehr aus amerikanischer Gefangenschaft dem 2. Weltkrieg von Carl-Otto auf diese Episode angesprochen, bestätigte Vater diesen Vorfall und erzählte, daß man ihm damals vorwarf, als „Anführer" der Werftarbeiter das Leben der Werftdirektoren gefährdet zu haben. Er habe dann den Nachweis führen können, daß er Schlimmeres hätte verhüten und dadurch das Leben der Werftdirektoren hätte retten können.
Nach dem 1. Weltkrieg gründete Günther zunächst ein Zigarren- und Kaffee-Versandgeschäft und später mit seinem Bruder Herbert und Vater die Kaukasus-Handelsgesellschaft, die mit Werkzeugen handelte und vor allem ins Baltikum, nach Estland und Finnland und nach Oberschlesien exportierte. Der Name war gewählt worden, weil geplant war, zum Kaukasus zu exportieren. Ein Plan, der sich wegen der politischen Verhältnisse nicht realisieren ließ.
![]() |
Mönchengladbach 1922 hinten: Meta-Günther, Günther, Otto, Ingeborg, Meta-Otto, Hellmuth vorne: Heide, ihr Großvater Herrmann Rathjen und ihre Großmutter Adelheit Rathjen, Meta Bellstedt (Mutter von Meta-Otto) und ihre Schwester Bernhardine Wätjen
|
Günther verließ diese Firma zum 01.01.1924, um die Nachfolge unseres
Großvaters C.O. Langen jr. bei M.May & Cie in Mönchengladbach anzutreten.
Etwas später trennten sich auch die beiden anderen Brüder. Herbert
übernahm das Kaffeegeschäft und Vater gründete in München-Gladbach einen
Konfektionsbetrieb im obersten Stock der ehemaligen Gladbacher Aktienspinnerei.
Dieses Gebäude ist heute noch in der ursprünglichen Architektur erhalten.
Vater und seine Frau Meta zogen in die Königstr. 12, heute Oskar-Kühlen-Str..
Mein Vetter Günther schreibt über diese Zeit:
Inge und Helmuth waren unsere besten Freunde. Die Familien trafen sich Sonntags nachmittags oft bei uns, wo wir Kinder in dem großen Garten spielten. Die beiden Väter sprachen dann meist über das Geschäft und die Mütter über Bremen.
1928 kamen Hellmuth und ich in das Humanistische Gymnasium in Möchengladbach, in dem wir bis einschließlich Quarta nebeneinander saßen, weil wir nach dem Alphabet gesetzt wurden.
Es war Tradition, daß Otto's am 1. Weihnachtstag zu uns und wir am 2. Weihnachtstag zu Otto's kamen, wo dann jedes mal der Weihnachtsbaum angezündet und Lieder gesungen wurden.
Infolge der Wirtschaftskrise mußte mein Vater die Kleiderfabrik am Ende der 20er Jahre liquidieren.
Vater gelang es, bei der Spinnerei Pferdmenges und Scharmann in Giesenkirchen die Stelle des Betriebsleiters zu erhalten. Die Familie zog in das Betriebsleiterhaus auf der Konstantinstraße. Mein Vetter Carl-Otto erinnert sich:
Das Haus mit seinen niedrigen Decken und kleinen Räumen erschien mir aus meiner kindlichen Sicht im Verhältnis zu den hohen, großen und hellen Räumen in der Industriestraße wie ein Hexenhaus. Im Wohnzimmer machte ein wunderschöner Kachelofen mit blau-weißen Kacheln besonderen Eindruck auf mich, denn so etwas kannten wir in der Industriestraße nicht. In dem zum Haus gehörigen Garten gab es einen herrlichen Kirschbaum und dann erinnere ich eine Überdachung am Ende des Gartens. Der gute Geist des Hauses hieß Sabine, die ich ganz besonders in mein Herz geschlossen hatte, weil sie es verstand, einen ganz tollen rheinischen Blatz mit und ohne Rosinen zu backen. Darüber hinaus gab es eine Eismaschine, die unter der oben erwähnten Überdachung stand, und die, wie mir damals schien, endlos lange gedreht werden mußte, bevor das Eis fertig war. Barry, Onkel Ottos Schäferhund, war gutmütig und ließ sich alles gefallen. Er war ein guter Spielkamerad und hat später noch eine ganze Zeit in der Industriestraße mit „gewohnt".
Auch Günther erinnert sich:
Wir besuchten Ottos nun öfter. Wir gingen dann Sonntags nachmittags durch den Volksgarten über Schloß Rheydt nach Giesenkirchen. Das war ein ziemlich weiter Weg. Zurück fuhren wir mit der Straßenbahn. Im Herbst sammelten wir Kinder auf der Straße säckeweise Kastanien, die Herr Pferdmenges Hellmuth abkaufte, um in seiner Jagd das Schwarzwild zu füttern.
Vater wurde Anfang der
30er Jahre zum Jahreswechsel 1932/33 bei Pferdmenges entlassen und blieb drei
Jahre arbeitslos. Es war eine wirtschaftlich schlechte Zeit und deshalb zog die
Familie am 30.01.33 bei Günthers ein.
Das Haus
Industriestr. 2 war ein sehr
großes Einfamilienhaus, da mein Großvater C.O. Langen acht Kinder und dazu das in der
damaligen Zeit übliche Personal hatte und unterbringen mußte. Es war also
genug Platz, aber das Haus war ein Einfamilienhaus mit einer alten Dampfheizung und hatte nur eine Küche und
ein Badezimmer.
Günther berichtet:
Wir aßen gemeinsam in unserem Eßzimmer und Hellmuth und ich hatten gemeinsam ein Schlafzimmer. Das waren also doch erhebliche Umstellungen. Dazu kam, daß wir alle politisch interessiert waren. Onkel Otto war Mitglied der NSDAP, wohingegen mein Vater der Deutsch-Nationalen Volkspartei angehörte. Er war bis 1933 Stadtverordneter und Fraktionsvorsitzender der „Bürgerlichen Vereinigung" (DNVP und DVP). Nach dem Abendessen gingen meist alle in unser Wohnzimmer und hörten im Radio die Nachrichten. Anschließend wurde kurz diskutiert, danach gingen Otto's nach oben in ihr Wohnzimmer.
Das Zusammenleben war daher nicht immer leicht, besonders wohl für Onkel Otto, weil er keine Arbeit hatte; aber soweit ich das beurteilen kann und in Erinnerung habe, ist es ganz gutgegangen. Onkel Otto war stolz auf seine Kinder. Inge war ein schlankes und hübsches Mädchen. Zu ihr hatte er ein sehr gutes Verhältnis. Hellmuth war ein eifriger H-J'ler, der sich später zu den Fallschirmjägern meldete, eine Truppe, die nur aus Freiwilligen bestand, und sehr angesehen war.
Heide hat gute Erinnerungen an diese Zeit:
Die Mahlzeiten werden häufig zusammen eingenommen, lediglich zum Mokka nach dem Essen ziehen sich die Ehepaare in die eigenen Wohnzimmer zurück. Die Wäsche wird für alle gewaschen und der große Garten betreut, die Früchte werden gesät, gepflegt, geerntet und verarbeitet. Dabei helfen zwei Mädchen und ein Gärtner.
Unsere Familie, die von Günther Langen, meiner Mutter Meta und uns Kindern Günther, Heide und Carl-Otto, hatte stets enge Verbindungen zur Otto-Familie. Besonders erlebte ich das in der 30er Jahren als junges Mädchen mit, als wir alle zusammen in einem Hause wohnten. Schon damals erkannte ich das Bemühen der Erwachsenen, miteinander auszukommen, andererseits aber auf die eigenen Interessen nicht zu verzichten. Mein Vater führte ein geistig reges Leben ohne jeden Kontakt zu den herrschenden Nationalsozialisten, während sich Onkel Otto - und auch seine Frau - mehr und mehr der Partei zuwandten. Wir fünf Kinder fühlten uns wie in einem großen Geschwisterkreis und noch heute denke ich dankbar an die schönen Feste, die wir zusammen feiern durften.
Carl-Otto erinnert sich an den politisch turbulenten Jahresanfang 1933:
Es wurden bei uns Fensterscheiben eingeschlagen, mit Musik und Fahnen zogen Formationen unterschiedlicher Parteien an unserem Haus vorbei. Das sogenannte große Eßzimmer diente zweimal als Lager für Wahlkampfmaterial. Mit Sicherheit war es einmal Material der NSDAP. Ich erinnere das deswegen so genau, weil ich von Onkel Otto pausenlos mit Hakenkreuz-Fähnchen ausgerüstet wurde, mit denen ich im Garten und am liebsten allerdings auf der Straße herum lief. Das letztere wurde mir, als unsere Eltern dahinter kamen, strikt verboten.
Trotz aller politischen Konflikte war der Zusammenhalt zwischen den beiden Familien groß, was wohl besonders den beiden „Metas" zu danken war.
Heide erzählt von ihrer Tante:
Tante Meta gehörte genau zu dem Frauentyp der damaligen Zeit. Ausgestattet mit einer praktischen Ausbildung war sie für die Ehe bestimmt. Sie wurde eine Ehefrau, die sich ganz dem Regiment von Onkel Otto unterwarf. Ich habe sie in Erinnerung als besonders nette und liebevolle Mutter ihrer Kinder und als anerkennenswert anpassungsfähig und anpassungswillig in dem großen gemeinsamen Haushalt in Mönchen Gladbach. Lebenstüchtig - außerhalb ihrer Familie war sie nicht.
Vater hatte zwischenzeitlich bei einer Organisation, die sich DINTA nannte und in Rheindahlen ein Büro unterhielt, eine leitende Funktion übernommen. Die DINTA befaßte sich mit Arbeitsunterweisungen, Organisation von Arbeitsabläufen und Ausbildungsfragen. Sie ist später im REFA-Verband aufgegangen.
1934 oder 1935 ging Vater nach
Landeshut/Schlesien, wo er zunächst
Berufsschullehrer tätig war und später die Stelle des Betriebsleiters in einer
dortigen Hanfspinnerei übernahm. Aus dieser Zeit stammen die Bilder aus Hellmuths Album "Reichsarbeitsdienst".

Nach Kriegsausbruch bekam Vater eine Stelle bei der AG Weser in Bremen, und die Familie zog wieder nach Bremen. In diese Zeit fielen Ereignisse, die Aufregungen und Kummer mit sich brachten.
Ingeborg, die schon einige Zeit als Fremdsprachenkorrespondentin am Auswärtigen Amt in
Berlin arbeitete, kehrte zur Familie zurück und brachte - ohne verheiratet zu sein -
Zwillinge auf die Welt, die aber gleich nach der Geburt starben. Daraufhin nahm sie
ihre berufliche Tätigkeit in Berlin wieder auf.

Hellmuth, der den Absprung über Kreta überlebt hatte, fiel am 14.11.1941 vor Leningrad. Das brachte Leid und Trauer für die Familie, vor allem für die Mutter, die zeitlebens dem Sohn auf besondere Weise verbunden war.
Ingeborg wurde bei einem Bombenangriff auf Berlin in einen Keller eingeschlossen. Am nächsten Tag sind noch Klopfzeichen gehört worden, aber ein erneuter Bombenangriff setzte ihrem Leben am 29.01.1944 ein Ende.
Am 28.05.44 verlor mein Vater dann auch noch seine Frau Meta nach einer schweren Krankheit.
Meine Mutter Helene Langen, geb. Thielmann, hat zu der Zeit als Krankenschwester an den Städtischen Kliniken in Bremen gearbeitet. Vater hat sie am Krankenbett seiner Frau kennen gelernt.
Meine Mutter hat mir später erzählt, daß sie meinen Vater aus Mitleid geheiratet hat. Ich kam am 07. Juni 1945, also kurz nach Kriegsende, zur Welt.

Vater wurde nach dem Krieg als Mitglied der NSDAP von den Amerikanern interniert. Er kam erst 1947 zurück, sehr gealtert und in schlechter physischer und psychischer Verfassung.
|
|
|
|
Carl-Otto berichtet:
Onkel Otto sah ich Jahre später etwa 14 Tage nach seiner Heimkehr aus amerikanischer Gefangenschaft wieder. Unser Vater war mit mir auf dem Wege nach Hermannshorst und wir machten in Bremen Station. Onkel Otto war - es klingt sicher trivial, aber es war so - ein gebrochener Mann. Ich weiß heute nicht mehr, worüber ich damals mehr erschrocken war über den körperlichen Zustand von Onkel Otto oder über die Erschütterung unseres Vaters.
Wir wohnten in Bremen in der Bismarckstr. 75. Unser Haus war trotz einem Brandbomben- Blindgänger und Schäden durch Artillerie-Beschuß weitgehend heil geblieben. Wir wohnten im Souterrain, die meisten Zimmer waren vermietet – was etwas Geld hereinbrachte.
1952 zogen wir in Vaters Heimat Mönchengladbach um, wohl aus finanziellen Erwägungen und um näher an der Familie zu sein. Wir lebten von Grundstücksverkäufen in Bremen und von den Einkünften aus Vaters Anteil bei M.May.
Vater - er war, als er bei Kriegsende interniert wurde, 59 Jahre – hat sich
gesundheitlich niemals mehr erholt. Ich habe nur wenige Erinnerungen an ihn. Ich
weiß noch, daß ich leise sein mußte, wenn er in unserem Ohrensessel ruhte. Er
erkrankte an der Alzheimerschen Krankheit, bei der man schleichend sein
Gedächtnis verliert. Auch hier erinnere ich mich, in welcher Sorge meine Mutter
war, wenn er von seinen Spaziergängen nicht mehr nach Hause fand. Als er nicht
mehr zu Hause gepflegt werden konnte, kam er in das Pflegeheim Tannenhof im
Bergischen Land. Meine Mutter hat
mir nie viel von ihren Besuchen dort erzählt, außer, daß er sie nicht mehr
erkannt habe und daß es ihm gut gehe. Sie wollte wohl all das von mir
fernhalten. Vater verstarb am 16.12.1958.