Nachrichtenblatt Dezember 2002
Liebe Verwandte!
Diesmal erscheint das Nachrichtenblatt in neuer Gestalt! Auf dem Familientag im Oktober haben wir davon ein Muster gezeigt. Nach den positiven Äußerungen vieler Familienmitglieder hat der Vorstand auf seiner letzten Sitzung die Herausgabe in der neuen Form beschlossen.
Der Familientag 2002 liegt bereits zweieinhalb Monate zurück. Was hat er den 111 Teilnehmern gebracht? Jeder von uns hat seine eigene Erinnerung und seine eigene Reihenfolge in der Wichtigkeit des Erlebten. z.B.
- Kennenlernen und Wiedersehen von Verwandten
- Fröhliche Gespräche
- Anregungen und Antworten auf Familien- und Lebensfragen
- Eindrücke im Forstgut von der Pflege des Waldes und der Hege des Wildes
- Neues aus der Familiengeschichte
- Gemeinsamer Gottesdienst am Erntedanktag
- Musizieren, Spiele, Rätsel....
Oder erinnern wir uns an:
- die Landschaft im Umfeld der "Lüneburger Heide"
- die schöne und sehr gepflegte Tagungsstätte mit den langen Wegen
- das gute Essen usw.
Vortrag über das Thema des Familientages
Das Hauptthema des Familientages hieß "Familie und Beruf - zwischen zwei Stühlen?" Durch das Referat von Frau Dr. Christine Brinck wurden uns konzentriert die Schwierigkeiten und die Möglichkeiten bei der Zusammenführung von Berufstätigkeit und den Aufgaben der Mutter sowie des Vaters für ihre Kinder beleuchtet. Sie meinte, daß Kinderkrippen mit staatlicher Ganztagsbetreuung und Tagesmütter für Kleinstkinder kein Ersatz für die Eltern sind, auch wenn einige Politiker dies befürworten. Die Kinder sollten mindestens bis zum dritten Lebensjahr bei der Mutter oder beim Vater als den Hauptbezugspersonen bleiben. Dies hätte nichts, mit der Vorstellung "Kinder, Küche, Kirche" für die Mutter zu tun. Jedes Mädchen, genauso wie die Jungen, soll einen Beruf erlernen. Einen andauernden Verzicht einer Mutter auf den erlernten Beruf lehnt Frau Dr. Brinck ab. Sondern sie forderte für die Berufsunterbrecher, daß Firmen, Behörden usw. "das Zurück in den Beruf" durch Teilzeitarbeit erleichtern sollten. Weiterhin stellt sie sich die Beteiligung des Vaters an der Hausarbeit und Kinderbetreuung vor, da eine berufstätige Mutter in sehr vielen Fällen eine "zweite Schicht" übernehmen muß. Unter dieser Überforderung leiden die Kinder und die Familie.
Frau Dr. Brinck hatte auch keine "Patentrezepte", die auf jede Familie paßten. Sie wünschte jeder Familie ein gemeinsames Durchhalten bei den Belastungen durch Beruf und Familie, um eine drohende Scheidung des Ehepaares unbedingt zu vermeiden.
Diskussion
Auf den Vortrag folgte eine rege Diskussion, in der uns spezielle Lösungsvorschläge genannt und über Lebenserfahrungen berichtet wurden. Zu den vier vorgegebenen Themen :
- Familie, Staat, Politik
- Familie und Arbeitsplatz (Firma)
- Alles zu seiner Zeit- Lebensplanung und Umsetzung
- Kinder, Küche, Kirche - Bedürfnisse der Kinder
wurden an die PIN- Wänden Antworten, Fragen und Zeitungsartikel geheftet.
Es würde den Rahmen dieses Nachrichtenblattes sprengen, wenn alle Beiträge hier aufgeführt würden. Auf Nachfrage können sie eingesehen werden. Stellvertretend wird an dieser Stelle ein Beitrag weitergegeben:
Stell dir vor, dein Kind ist krank, und du musst arbeiten.
Stell dir vor, dein Kind weint, und du kannst es nicht trösten.
Stell dir vor, dein Kind hat Probleme, und du weißt es gar nicht.
Stell dir vor, dein Kind sucht einen Vertrauten, mit dem es reden kann
und du hast keine Zeit.
Stell dir vor, dein Kind ist erwachsen und hat in dir keine Vertrauensperson
gefunden.
Stell dir vor, dein Kind ist groß und selbständig, und du bist einsam, weil es
sich nicht mehr für dich interessiert.
Und dann stell dir vor, dass es einen Gott gibt, der dich und dein Kind
von ganzem Herzen liebt,
der dir und deinem Kind ein guter Vater (eine gute Mutter) sein will,
der seine Beziehung zu den Menschen so eng und innig geplant hat,
wie gute Eltern mit ihren kleinen Kindern verbunden sind,
der wie ein einsamer Vater (eine einsame Mutter) auf sein Kind wartet,
dass es zu ihm zurückfindet;
denn er ist Liebe!
Forstgut Hermannshorst
Ein besonderer Höhepunkt waren am Samstagnachmittag (5.Okt.) die beiden Führungen durch das Forstgut Hermannshorst. Heide Duhme (II a 7-2) hatte alle Teilnehmer des Familientages mit einer kleinen Broschüre über Hermannshorst überrascht, die wir bereits am Empfang der Tagungsstätte erhielten. Heide Duhme berichtet hier über das Forstgut und ihr Leben dort, so spannend, daß der Leser von Anfang bis zum Ende gefesselt wird. Als Schlußwort finden wir ihren Brief an uns, der wie folgt lautet:
"Liebe Kinder und Enkel,
liebe Brüder und Familien,
liebe große Langen-Familie!
Jetzt, wo ich das alles niedergeschrieben habe, ist mir noch deutlicher bewußt geworden, wie sehr ich selbst ein Baum unter den Hermannshorster Bäumen bin. Hier sind meine Wurzeln, hier bin ich gewachsen und erwachsen geworden. Zu vielem, was zu gestalten war, konnte ich beitragen - und wie meine Großeltern und Eltern wünsche ich mir, daß Hermannshorst weiter gehegt und gepflegt wird und der Familie erhalten bleibt.
Danke für den Besuch!
Auf Wiedersehen!
Heide Duhme geb.Langen"
Bei den zwei getrennten Führungen durch den Forstamtmann Herrn Meier und den Jagdpächter Herrn Blunck regnete es leider in Strömen. Die spannenden Berichte auf den Fußmärschen durch den Forst ließen aber den Regen und die nassen Hosen, Jacken und Schuhe vergessen. (Die Erkältungen kamen erst in den folgenden Tagen.) Auch die Planwagenfahrer, denen Reinke Duhme (II a 7-2-4) einiges über den Forst erzählte, bekamen das naßkalte Wetter zu spüren. Zur Aufwärmung gab es im Schützenhaus Kaffee, Tee und ganz hervorragenden Butterkuchen.. Bei der Jugend gab es ein "Butterkuchen-Wettessen"!
Abende im Bauernhaus
An den Abenden -Freitag und Samstag - trafen wir uns am Kaminfeuer im Bauernhaus. Das alte Fachwerk-Bauernhaus aus Tellmer wurde 1979 im Akademiegelände neu aufgebaut. Im Erdgeschoß entstand dabei ein großer Saal. Hier wurde zwischen den fröhlichen Gesprächen musiziert und eifrig geraten mit vielen Preisvergaben.
Andacht am Sonntag dem 6.Oktober
Am Sonntag -Erntedanktag - hielten wir im großen Saal unsere Andacht. Die Predigt (s.Anlage) hielt Michael Kanig (II a 2-3-1) und der Chor unter der Leitung von Gert Lueken (III a 7-2-3) erfreute uns mit zwei Chorälen. Die Kollekte war für die Eugen-Langen-Schule in Wuppertal-Barmen bestimmt worden und ergab 730,- Euro. Die Schule für Lernbehinderte will das Geld bei der Anschaffung von Turngeräten mitverwenden.
Dr. Adolf Walter Schleicher
Ein spannender Bericht von Ekkehard Schnieber (I d 8-3-3) erwartete uns noch am Sonntag.
Er ging im Juli d. Jahres mit seiner Tochter Anne auf eine Expeditionsreise nach Tansania, um die Grabstätte seines Urgroßvaters Dr. Adolf Walter Schleicher auf Toten Island bei Tanga zu suchen. Leider ist es uns nicht möglich den Vortrag mit den vielen Bildern im Nachrichtenblatt abzudrucken. Er kann aber hier auf unserer Internetseite bei www.langenscherfamilienverband.de nachgelesen werden. Im Hamburger Abendblatt vom 12./13. Oktober 2002 ist hierüber ein Bericht "Expedition nach Toten Island" erschienen. Interessenten ohne Internet-Anschluß können noch Kopien gegen Unkostenbeteiligung vom Verband erhalten. Auf unsere Anfrage über die Erhaltungs- und Pflegekosten für die Grabstätte auf Toten Island schrieb Ekkehard u.a. ...."Nach meiner vagen Einschätzung wäre für die Herrichtung der Grabanlage und das Zugänglichmachen mit einem einmaligen Betrag von 500 Euro bei den Löhnen in Tansania möglich. Für den Erhalt der Anlage wäre m.E. 100 Euro jährlich ausreichend....Vielleicht ließe sich auch in den Familiennachrichten und in der Homepage noch nachfragen, ob einer der Verwandten über Unterlagen aus der Familie Adolf Schleicher, also den Eltern von Dr. Adolf Walter Schleicher und auch seiner Familie selbst verfügt. z.B. Tagebuch der Emma Schleicher, geb. Langen über das hinaus, was schon in der Familienchronik steht, vielleicht auch Bilder der Familie Schleicher. Man könnte auch die Verwandten dazu animieren im Rahmen eines Afrika-Aufenthaltes einen Abstecher nach Tanga zu machen. Ich würde mich dann selbstverständlich zur Verfügung stellen, die notwendigen Kontakte nach Tanga herzustellen. ohne die ein Besuch von Toten Island eher nicht möglich wäre.."
Beiträge zu den Erhaltkosten der Grabstätte erbitten wir auf die Konten des Langenschen Familienverbandes mit dem Stichwort "Grabstätte Adolf Schleicher". Wir werden die dafür eingehenden Geldbeträge weiterleiten. Wegen der angefragten Familienunterlagen bitten wir um Kontaktaufnahme direkt mit Dr. Ekkehard Schnieber Tel. 040 - 7212125.
Kurzmeldungen - Kurzmeldungen - Kurzmeldungen - Kurzmeldungen
Forstgut Hermannshorst
Von dem Heftchen "Hermannshorst", verteilt von Heide Duhme (II a 7-2) an die Teilnehmer des Familientages 2002, gibt es noch einige Restexemplare. Interessenten melden sich bitte bei Hermann Langen (Langenscherfamilienverband@web.de).
Sechste Sigurd Greven - Vorlesung
Professor Dr. Arnold Esch aus Rom (III g 11-3, Professor der Geschichte und war bis 2001 Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Rom.) hielt am 25.April 2002 in der Kirche St.Peter in Köln einen Vortrag "Köln und Italien im späten Mittelalter" Die Sigurd Greven - Stiftung hat diesen Vortrag im November veröffentlicht. Viele schöne, erläuternde Fotos wurden in den Text eingefügt.
90. Geburtstag von Margarete Gräfin Carmer (VII a 2-2)
Ihr Neffe Klaus Gessert (VII a 2-1-1) hielt auf der Feier eine Rede, die demnächst hier auf unserer Homepage www.langenscherfamilienverband.de zu lesen ist.
Eugen Langen ein protestantischer Unternehmer
Im Rahmen der Feiern "200 Jahre Evangelisches Köln - 2002" hielt Frau Dr. Gabriele Oepen Domschky den Vortrag "Eugen Langen (VIII) ein protestantischer Unternehmer". In einem Dokumentationsband über die Feiern wird 2003 dieser Vortrag erscheinen. Ca. 25 Familienmitglieder hörten am 22.Oktober 2002 den Vortrag in der Trinitatiskirche, Köln.
Professor Dr.-Ing. Carl-Justus Heckmann
Die TU Magdeburg hat zum Gedenken an Carl-Justus Heckmann (I f 1-1) an seinem 100. Geburtstag im Mai 2002 seinem ehemaligen Institutsgebäude den Namen "Heckmann -Gebäude" gegeben.
Eugen Langen
Die Bergische Universität - Gesamthochschule Wuppertal Lehrstuhl Stahlbau (von Professor Dipl.-Ing. Schierk) - will den Hörsaal des Lehrstuhls "Eugen Langen - Hörsaal" nennen. Der Langensche Familienverband begrüßt dieses Vorhaben.
Stiftung Langen - Foundation
Marianne Langen (VIIIl 3) gründet die Stiftung "Langen - Foundation" und konnte am 20. November 2002 den Grundstein für das Museum für japanische Kunst in Neuß-Hombroich legen. In anderthalb Jahren soll es eröffnet werden.
Grüne Chronik
Wir haben 10 Exemplare der "Grünen Chronik" binden lassen. Der Preis beträgt 30,-- Euro zzgl. Versandkosten
Neue Mitglieder des Familienrates
Die Mitgliederversammlung auf dem Familientag hat Maria von Recklinghausen (VIIb 4-2) und Beatrix March geb.Leendertz (VIIIl 4-1) in den Familienrat (Adressen) gewählt.
Gruppenbild vom Familientag
Das Gruppenbild vom Familientag kann bei Hilde Langen (Langenscherfamilienverband@web.de), in der Größe 20x28cm für 3,50Euro incl. Porto und Verpackung erworben werden.
Beiträge
Die Beiträge für den Familienverband für die Jahre 2002 bzw. 2003 sind zu zahlen. Der Jahresbeitrag beträgt mindestens 16,- Euro für Erwachsene und 3,-Euro für Schüler und Studenten. Zur Vereinfachung der Zahlung sind Überweisungsträger beigelegt.
Im Namen des Vorstandes und Familienrates wünschen wir frohe Weihnachten und ein gesegnetes Jahr 2003
Eure
Hermann Langen Angelika Bechstein
Andacht zum Erntedanktag 6.10.2002 in Hermannsburg
von Pfarrer Michael Kanig (IIa 2-3-1)
Psalm 145, Matthäus 20, 1-16
Heute ist Erntedanktag. Wir haben es gehört und besungen: "Alle Augen warten auf dich und du gibest ihnen ihre Speise zu seiner Zeit." Aber hier stocke ich schon. Ist das so? Dieser Jubelpsalm steht in deutlichem Gegensatz zur Erfahrungswelt der Süddeutschen Zeitung. Und das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg? Was würden heute dazu die Unternehmerverbände und die Gewerkschaften sagen? - Haarsträubende Ungerechtigkeit, ruinöse Großmannssucht!
Ja, auch damals waren Personalbeauftragte auf Suche nach geeigneten Arbeitern unter den vielen arbeitslosen Bewerbern. Auch damals gab es Stoßarbeitszeiten. Aber kann man das Problem so lösen?
Wir haben gestern vormittag darüber diskutiert , wie man Beruf und Familie in Einklang bringen kann. Wir haben gespürt, wie die Frauen zwischen zwei Stühlen sitzen und durchaus nicht nur sie. Wir haben über die Problematik der Teilzeitarbeit geredet. Dabei war klar: die Existenz der Familie muß gesichert werden. Wie aber macht man das? Jede Biographie ist anders. Jeder muß seinen eigenen Weg finden. Suchen allerdings - , suchen können wir gemeinsam, auch hier auf dem Familientag, in diesem Raum, in diesem alten Psalm, in diesem Gleichnis Jesu.
Unser Neutestamentler Johannes Leipold, weiland Volkskammerabgeordneter, ein kleiner, bescheidener, vorsichtiger Mann, hat uns Studenten 1957 in Leipzig auf einen Aspekt dieses umstrittenen, anstößigen Textes hingewiesen. Der Lohn betrug 1 Dinar. Das war der Gegenwert für den Tagesbedarf einer damaligen Großfamilie, also etwa 40 bis 50 Euro. Und der Unternehmer gab diesen Lohn auch dem letzten Arbeiter aus wohlverstandenem Eigeninteresse, denn 1.braucht er am kommenden Tag wieder arbeitsfähige Männer für die Weinlese und 2. wäre die Familie sonst als Sozialfall des Ortes auch ihm steuerlich zur Last gefallen. Seine Ungerechtigkeit bestand darin, daß er das Lebensnotwendige gab auch dem, der wenig geleistet hatte. Sozialplan, Betriebsrente, Arbeitslosengeld, Sozialhilfe fallen mir als Stichworte dazu ein.
Ist das überinterpretiert? Sicher! Und dennoch. Ich erinnere mich an ein Bemerkung Arnold Langen´s auf dem Familientag 1992 in Dresden: Eine Firma, die mit ihren Arbeitern gut umgeht und kulant gegenüber den Kunden ist, wird auf lange Sicht die besseren Chancen haben als die, die schamlos erpreßt und betrügt, weil sie auf Vertrauen baut. Mit welchem Recht kann ich mich heute auf Vertrauen stützen in einer Zeit falscher Versprechungen, falscher Bilanzen, geschönter Statistiken?
Mit dem Recht dessen, der erlebt hat, daß ihm selbst vertraut wurde? - Von wem? - Von dem, der ihn gedinget hat. Gott hat uns eine Menge Talente gegeben. Einige davon haben wir gestern Abend erlebt, andere gestern vormittag: Musikalität, scharfer, kritischer Verstand. Der Familientag hat es deutlich gemacht: Gott hat uns Eltern, Großeltern, Urgroßeltern gegeben, Onkel und Tanten, Geschwister, Vettern und Basen 1. bis 17.Grades, Kinder, Enkel, Urenkel - die Angeheirateten seien besonders hervorgehoben. Das Land, den Wald, die Bodenschätze, die geistigen Potentiale, die menschlichen Qualitäten. Sie sind uns gegeben, wir sind mit ihnen begabt. Wir reichen sie nur weiter. Und wenn uns etwas (oder jemand) aus der Hand geschlagen wird, dann ist das schlimm. Wer wollte das beschönigen. Aber wir sehen uns um, und siehe, da sind andere da (und anderes): andere Menschen, andere Strukturen, die uns aufhelfen, aufrichten, wenn wir niedergeschlagen sind. Die Generation meiner Eltern hat das im und nach dem Krieg erlebt: "Aller Augen warten auf dich und du gibst ihnen ihr Speise zu seiner Zeit". Sie haben vertraut und es wurde ihnen etwas zugetraut - jemand anvertraut (der Partner, die Kinder) und sie haben es erlebt: Solches Vertrauen ist tragfähig. Vertrauen setzen in unsere Kinder, in unsere menschlichen Potentiale - auch da, wo sie durchaus streitbar die Arbeitsmarktpolitik mitgestalten, kritisches Vertrauen auch in neue Modelle des familiären Miteinanders, sofern sie fähig und bereit sind, auch Opfer zu bringen und Opfer anzunehmen.
Der, der das Gleichnis erzählt hat, der hat es vorgemacht (übrigens als "Single"). Er ist gescheitert, sagen die Skeptiker. Er ist auferstanden, sagen die Vertrauenden und sie sind durch Jahrhunderte hindurch mit diesem Vertrauen gut gefahren. Reihen wir uns ein.
Johann Heermann, der Schlesier, der in Ostpreußen den 30-jährigen Krieg erlebt und erlitten hat, der hat etwas von dieser Problematik gewußt. Er hat aber auch erlebt, in welchem Geist sie bewältigt werden kann.
- O Gott, du frommer Gott du Brunnquell guter Gaben, ohn den nichts ist, was ist, von dem wir alles haben: gesunden Leib gib mir, und daß in solchem Leib ein unverletzte Seel und rein Gewissen bleib.
- Gib, daß ich tu mit Fleiß, was mir zu tun gebühret, wozu mich dein Befehl in meinem Stande führet. Gib, daß ich´s tue bald, zu der Zeit, da ich soll, und wenn ich´s tu, so gib, daß es gerate wohl.
- Hilf, daß ich rede stets, womit ich kann bestehen; laß kein unnützes Wort aus meinem Munde gehen; und wenn in meinem Amt ich reden soll und muß, so gib den Worten Kraft und Nachdruck ohn Verdruß.
- Findt sich Gefährlichkeit, so laß mich nicht verzagen, gib einen Heldenmut, das Kreuz hilf selber tragen. Gib, daß ich meinen Feind mit Sanftmut überwind und, wenn ich Rat bedarf, auch guten Rat erfind.
- Laß mich mit jedermann in Fried und Freundschaft leben, soweit es christlich ist. Willst du mir etwas geben an Reichtum, Gut und Geld, so gib auch dies dabei, daß von unechtem Gut nichts untermenget sei.
(Evang. Gesangbuch Nr.495)
Diese Haltung wünsche ich uns, unseren Familien, unserer Gesellschaft. Dann sitzen wir nicht ängstlich als einzelne zwischen zwei Stühlen, sondern stehen dankbar und getrost auf zwei Beinen in vertrauter Gemeinschaft. Amen.
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