Nachrichtenblatt Dezember 2006

Liebe Verwandte!

Rückschau auf unseren Familientag vom 20. bis 22. Oktober in Meißen und Dresden. Es waren besonders schöne, erlebnisreiche und eindrucksvolle Tage, und die Antwort einer ganz jungen Teilnehmerin auf die Frage "worüber bist Du fröhlich und worüber bist Du traurig?" war: "Ich bin traurig, dass ich meinen Urgroßonkel Eugen Langen nicht gekannt habe!" Er ist zwar der Urururgroßonkel der jungen Teilnehmerin des Familientages, aber dies ändert nichts an der Aussage über ihr Interesse am Leben und Schaffen dieses Vorfahren.

Wir werden hierdurch an den Zweck und die Aufgaben des Familienverbandes erinnert, wie dies in der Satzung festgeschrieben ist. - Der im Abstand von zwei Jahren stattfindende Familientag soll den Familienzusammenhalt unter den Nachkommen von Johann Jakob Langen dem Jüngeren (Vater von Eugen Langen) festigen und fördern. Bei unserem Treffen in Meißen und Dresden konnten wir dies einmal mehr erleben.

Der erste Höhepunkt im Programm war die Abendführung am Freitag durch den dunklen, nur mit wenigen Teelichtern spärlich beleuchteten Meißener Dom mit dem Dombaumeister. Dabei erfreute uns der Domorganist mit einem ganz besonderen Orgelkonzert: Er spielte Variationen zu dem Choral: "Komm, sag es allen weiter, ruf es in jedes Haus hinein! Komm, sag es allen weiter, Gott selber lädt uns ein!" Viele von uns erlebten dann noch eine Wiederholung dieser Führung mit einem veränderten Konzert im sonnendurchfluteten Dom am Sonntagmittag.

Das Vorleben und Weitersagen war für Eugen Langen, an den wir am Samstagvormittag an der Dresdner Bergschwebebahn erinnerten, sehr wichtig. In der Loschwitzer Kirche, die wie die Frauenkirche in Dresden ebenfalls von George Bähr erbaut wurde, feierten wir mit über 150 Familientagsteilnehmern sowie mit Gästen der Stadt Dresden, der Leitung der Bergschwebebahn, Vertretern des Vereins Deutscher Ingenieure und des Denkmalschutzes, und wir freuten uns über deren Grußworte.

Für den Familienverband begrüßte Hermann Langen alle Teilnehmer mit folgenden Worten:

"Wir erinnern heute an Eugen Langen und seine Erfindung der Schwebebahn mit der Anbringung einer Gedenktafel. Diese Erfindung und - viele weitere - begeistern mich als Ingenieur, und außerdem interessiert mich der Mensch, der solches erdacht hat.

Eugen Langen war Ingenieur und Erfinder. Er war unermüdlich in der Verfolgung seiner technischen Ideen und bei der Verwirklichung vieler Erfindungen durch maßgebende Lösungsvorschläge bis hin zur Fertigung. Zwar blieben auch bei ihm manche Enttäuschungen nicht aus. Er erfand nicht nur den Würfelzucker und die Schwebebahn, wie oft gesagt wird. Zu seiner Tätigkeit gehörten die großen Erfindungen zum Zweitakt- und Viertakt-Otto-Motor zusammen mit Nikolaus August Otto in den Jahren ab 1864. Seine erste Erfindung war der Etagenrost zur Feuerung von Kohle zum Beispiel in Kesselanlagen bei über 20% Kohleeinsparung. Besondere Erfindungen und Verfahren für die Zuckerherstellung müssen ebenso erwähnt werden, als da sind eine Waschmaschine zur Reinigung der Zuckersäfte von organischen Beimischungen, der mechanisch bediente Glühofen – der Wiederbelebungsofen – und die Zentrifuge zur Zuckerraffination.

Eugen Langen war Unternehmer und dabei genauso unermüdlich bei seiner Tätigkeit in den Firmen. Hier sind zunächst die Zuckerindustrie mit der Firma Pfeifer und Langen sowie die Gasmotorenfabrik Deutz zu nennen. Weiterhin unterstützte und förderte er die Werke der Brüder Mannesmann zur Herstellung "nahtloser Rohre" in Remscheid, den Hoerder Bergwerks- und Hüttenverein bei Dortmund und in der Elektroindustrie die Schuckertwerke in Nürnberg. Er gründete mehrere mittlere und kleinere Firmen der Zuckerindustrie sowie weltweit Niederlassungen des Gasmotorenwerks. Besonders zu nennen ist die Firma Langen und Hundhausen in Grevenbroich zur Herstellung der Maschinen für die Zuckerindustrie.

Eugen Langen stellte seine Arbeitskraft stets auch in den Dienst der Allgemeinheit. Er trug Verantwortung für die Gesellschaft ebenso wie auch für seine Familie. Durch seine Liebenswürdigkeit gegenüber Kontrahenten gelang es ihm oft, auch schwierige Verhandlungen zum Erfolg zu führen. Mit dem Verein Deutscher Ingenieure, dessen Vorsitzender er in den Jahren 1873 und 1880 war, schuf er das erste einheitliche Deutsche Patentgesetz sowie ein Haftpflichtgesetz zum Schutz der Arbeitenden gegen Gefahren für Leben und Gesundheit. In der Evangelischen Kirche war Eugen Langen Mitbegründer des Kölner Arbeitervereins zur Unterstützung sozial schwacher Bevölkerungsschichten. Auch förderte er den Bau neuer Kirchen in Köln und Elsdorf bei Köln. Viel zu früh - mit 62 Jahren - starb er 1895.
Für uns, seine Nachkommen im Langenschen Familienverband, bleibt er ein großes Vorbild. Wir freuen uns, dass ab heute auch eine Gedenktafel die Besucher der Bergschwebebahn hier in Dresden-Loschwitz an diesen Erfinder und Ingenieur erinnert.

Ich danke den Dresdner Verkehrsbetrieben, Herrn Credé vom Vorstand, sowie dem Leiter der Bergschwebebahn Herrn Joel, für ihre spontane Bereitschaft zur Anbringung einer Gedenktafel. Wir wünschen, dass sich hierdurch noch viele Menschen für die Arbeiten von Eugen Langen interessieren und er noch vielen Menschen ein Vorbild werden kann. Sein Vorbild verstehe ich so, wie ich dies in wenigen Sätzen umschrieben habe und als Wesentliches bleibt hervorzuheben: Konsequentes Arbeiten und Festhalten an den eigenen Vorgaben! Auch Misserfolge akzeptieren! Keine Gewinnsucht! Den Mitmenschen achten und für ihn sorgen!"


Das Bild zeigt die Enthüllung der Gedenktafel in der Talstation der Bergschwebebahn.


von links : Herr Credé (DVB), Martin Langen mit Sohn Fynn, Hermann Langen

In der Talstation konnten wir auch ein nachgebautes Hängefahrrad besichtigen. Auf solch einem Fahrrad machte Eugen Langen seine ersten Versuche für die Hänge-Schwebebahn.

Im Anschluss an die Enthüllung fuhren wir mit der Schwebebahn zur Bergstation. Dort besichtigten wir das Maschinenhaus und die Ausstellung im Treppenhaus der Station. Diese zeigt die Patentschrift des Kaiserlichen Patentamtes für Eugen Langen in Köln a. Rh. "Hochbahn mit freischwebend hängenden Personenwagen" und dokumentiert den Bau und Betrieb der Bahn bis heute.

Nach einem Imbiss an der Bergstation ging es mit den drei Bussen zu unseren verschiedenen Besichtigungsorten: Frauenkirche, Zwinger, Parkeisenbahn im Großen Garten, Kindermuseum im Hygienemuseum und zur Gläsernen Manufaktur des VW-Werkes. Eine kleine Anzahl der Teilnehmer fuhr zurück nach Meißen zur Besichtigung der Porzellanmanufaktur und der Albrechtsburg.

Am Samstagabend in der Akademie erfreuten uns unsere Musiker unter der bewährten Leitung von Gert Lueken mit schöner und fröhlicher Musik. Es ist immer wieder bewundernswert, wie unser "Chefmusiker" - bei jeweils unvorhersehbarem "Aufkommen" unterschiedlicher Instrumente - Überraschendes zu zaubern versteht! Heuer endete das Familientags-Konzert mit dem Kaiserwalzer von Johann Strauß. Die zusätzlich aufkommende vergnügte Laune wirkte dann geradezu ansteckend. Die anschließende Plauderstunde im Gewölbekeller endete erst weit nach Mitternacht.

Am Sonntagmorgen trafen wir uns zum Gottesdienst in der Barbara-Kapelle.
Die Predigt von Pfarrer Michael Kanig sei hier wiedergegeben:

"Aus dem heutigen Predigttext Jakobus 5 will ich nur Vers 16 mit Euch bedenken: "Betet füreinander!"

"
Meißen und Dresden – Kultur und Technik" war die Überschrift unseres Treffens. Wir haben vieles gesehen und vieles erlebt. Manches hat sich wunderbar ergänzt, so etwa die Schwebebahn und der Loschwitzer Berghang mit der George-Bähr-Kirche darin. Manches stand in Spannung zueinander, entweder Dresdner Frauenkirche oder VW-Manufaktur. Am wichtigsten aber war mir: Wir haben einander gesehen und erlebt. Für viele von uns war es ein Wiedersehen mit großer Freude. Die Gruppengespräche zeigten das vom ersten Tage an bis gestern Abend im Klosterkeller. Und doch - auch unter uns nicht ohne Spannungen. Kein Wunder: Unsere Zeit ist spannend genug! "Kultur und Technik" - ich denke an das Bauvorhaben Dresdner Waldschlösschenbrücke. Ferner: Alt und Jung, erfolgreich, seine Chancen noch suchend, West und Ost - noch immer. Auch unser Familientreffen ist irgendwie Abbild unserer Gesellschaft.

"Betet füreinander!" Was soll dieser Satz? Ich empfinde ihn hier, unter uns, irgendwie als indiskret. Man dringt nicht ungefragt auf solche Weise in die private Sphäre eines anderen ein, und schon gar nicht taugen dazu Befehle. Dieser Satz "Betet füreinander" soll allerdings auch kein Befehl, sondern ein Rat sein – Rat in einer prekären Situation. Und damit sind wir mitten in der aktuellen politischen Debatte. Vom Prekariat ist die Rede, von jener Schicht unserer Gesellschaft, die befürchten muss, langsam oder auch plötzlich in Armut abzurutschen. Und obwohl wir in Meißen und Dresden bewunderungswürdige kulturelle und technische Aufbauleistungen nach der Wende 1989 und nach der Flut 2002 gesehen haben, geht die Sorge um und fragt: Wie soll es weitergehen – für uns und für die weite Welt? Wir haben hier erlebt, wie aus bloßen Namen im Teilnehmerverzeichnis Personen werden. Wir haben gesehen, dass der Familienverband aus interessanten, vielseitig begabten, liebenswerten Menschen besteht, die ihre eigenen Fähigkeiten und Charaktereigenschaften mitbringen, die agieren und reagieren, deren Zukunft offen ist.

Jakobus meint, dass eben denen eine gute Zukunft zu wünschen sei. Noch einmal zurück zu dem Wort "Prekariat": precari heißt erst in zweiter Linie "befürchten", sondern zunächst "Gutes wünschen, hoffen, bitten". Deprecatio ist das Gebet. Füreinander beten heißt füreinander hoffen. Worin soll diese Hoffnung bestehen? Sie geht von der Überzeugung aus, dass Gott einen jeden von uns zu etwas braucht, so lange er ihn auf dieser Erde leben lässt, und dass sich also diese Aufgabe, dieses Ziel, dieser Sinn herausstellen wird – auch da, wo er uns - noch - verborgen ist. Wir beten darum, dass uns die Augen geöffnet und die Kräfte verliehen werden, diese Aufgabe, dieses Ziel, diesen Sinn für uns - und wenn möglich, auch für andere zu finden und anzugehen. Wir sind als Verwandte, als Freunde, als Kollegen oder Nachbarn, als Mitbürger, als Weltbürger in einer Gesellschaft verbunden – der Gesellschaft derer, die Gott aufeinander bezogen hat, und in der er jeden Einzelnen an seinem Platz braucht. Das Beten ist ein sehr diskretes Kommunikations- und Verständigungsmittel. Über das Beten können wir zu Gott und zueinander finden, weil wir "den Gotteswillen" füreinander und voneinander erwarten. Amen."

In der Homepage – www.langenscherfamilienverband.de - können alle Interessierten die zwei Gruppenbilder und viele weitere Aufnahmen des Familientages ansehen. Sonja Bechstein und Dirk Langen freuen sich besonders über alle Reaktionen zu ihrer Arbeit. Unsere Homepage wird immer wieder von Personen besucht, die nicht zu unserer Familie gehören . Wir hören von denen viel Gutes über Aufbau, Inhalt und Pflege der Homepage. Deshalb lohnt sich auch für die Familienmitglieder der Besuch unserer Homepage!


Kurzmeldungen - Kurzmeldungen - Kurzmeldungen - Kurzmeldungen

Blasewitzer Zeitung - Dresdner Stadtteilzeitung

In dieser monatlich erscheinenden Zeitung wird in der Ausgabe 11 vom November 2006 in der Rubrik "Stadtgeschichte" unter der Überschrift "Erinnern an Eugen Langen" über die Anbringung der Gedenktafel an der Bergschwebebahn, den Familientag und unseren Familienverband berichtet.

Geschichte des Ingenieurs - 150 Jahre Verein Deutscher Ingenieure (VDI)

Der Dresdner Bezirksverein des VDI hat dem Familienverband anlässlich der Feier zur Anbringung der Eugen-Langen-Gedenktafel am 21. Oktober 2006 das Buch von Walter Kaiser / Wolfgang König (Hrsg.) "Geschichte des Ingenieurs - Ein Beruf in sechs Jahrtausenden" ( Carl Hanser Verlag, München 2006 ) geschenkt.

Film der Schwebebahnen

Der Film der Wuppertaler und Dresdner Schwebebahn, der auf dem Familientag gezeigt wurde, wird auf einer DVD angeboten. Zu beziehen über den Familienverband zum Preis von € 10,00 zzgl. Versandkosten.

Förderverein Historische Schwebebahn e.V. Wuppertal (FHSW)

Im Nachrichtenblatt vom Juni 2006 hatten wir unter der Überschrift: "Falschmeldung zur Erfindung der Schwebebahn" zur persönlichen Mitgliedschaft von Familienmitgliedern aufgerufen. Das Formular zur Beitrittserklärung kann beim Familienverband über Hermann Langen angefordert werden.

Restexemplare der Stammtafel 2005

Zu bestellen beim Familienverband zum Preis von € 10,50 pro Stück incl. Versandkosten.

Familientag 2008

Der nächste Familientag soll am Niederrhein stattfinden. Der Familienverband hat dafür die Akademie "Wasserburg Rindern" bei Kleve von Freitag, dem 19. September bis Sonntag, dem 21. September 2008 reservieren lassen. siehe dazu www.wasserburg-rindern.de

Mitgliedsbeitrag

Zur Zahlung der Mitgliedsbeiträge sind Überweisungsträger beigelegt. Der Jahresbeitrag beträgt mindestens € 16,- für Erwachsene und € 3,- für Schüler und Studenten.

Vorstand und Familienrat wünschen allen Verwandten
Fröhliche Weihnachten und ein Gesegnetes Jahr 2007!

Eure
Hermann Langen            Benita Langen

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